
Zinsangst trifft KI-Euphorie: Wie gefährlich wird es für die Wall Street?
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Herzlich willkommen zu Hebelträder Inside am Donnerstag, den 29. Oktober 2026. Mein Name ist Rudolf Hitmann. Das aktuelle Börsenumfeld präsentiert sich herausfordernd, insbesondere die Kursstützen bei Meta und Alphabet signalisieren wachsende Sorgen der Anleger hinsichtlich der hohen Investitionsquoten bei Technologiegiganten, die zu erheblichen negativen Free Cash Flows geführt haben. Dennoch gibt es Branchen, die sich diesem Abwärtstrend entziehen können, worauf wir später eingehen werden. Zudem beleuchten wir das effektive Management eines Optionsscheindepots.
Beginnen wir mit der allgemeinen Marktlage. Der S&P 500 befindet sich seit Anfang August in einer Seitwärtsphase mit einem leichten Aufwärtsschlenker in den letzten fünf Handelstagen. Dies ist ein positives Zeichen. Auf dem 2-Stunden-Chart zeigt sich die Seitwärtsrange deutlicher, und der jüngste Anstieg in Verbindung mit steigender Trendintensität ist positiv zu werten. Die Indikatoren zeigen jedoch ein gemischtes Bild. Der Hintergrund ist weiterhin rot eingefärbt, was auf einen Short-Trend hindeutet. Langfristige Indikatoren drehen langsam in die Kaufzone, während der kurzfristigere ROC bereits im grünen Bereich liegt. Ein Rückgang gestern nach US-Handelsschluss, der sich heute fortsetzt, ist auf den Kursverfall von Google um 10 % nach den Quartalsergebnissen zurückzuführen.
Der Nasdaq zeigt auf Tagesbasis ein ähnliches Bild einer Seitwärtsbewegung seit Mai, wobei das aktuelle Niveau dem von vor fünf Monaten entspricht. Auf dem 2-Stunden-Chart hat die Unterstützung bei 29.000 Punkten gehalten, was positiv ist. Ein Überwinden des 200-Tage-Gleitenden Durchschnitts ist nun entscheidend. Die Trendintensität ist noch negativ, hat aber Boden gutgemacht. Die Indikatoren sind bis auf den ROC negativ, was auf einen Short-Trend hindeutet. Der Abwärtstrend im Intraday-Bereich ist intakt.
Deutlich positiver präsentiert sich der DAX. Hier könnte man von einer Bodenbildung sprechen. Der Markt zeigt positives Momentum, was sich auch im 2-Stunden-Chart widerspiegelt, wo alles auf Kauf steht. Der DAX ist sogar über ein Mehrmonatshoch ausgebrochen, was auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends hindeuten könnte. Die Indikatoren sind ebenfalls besser als beim S&P und Nasdaq, da der DAX mehr Value-Aktien und weniger Hightech-Aktien enthält.
Die Advanced Decline Line des S&P 500 ist weiterhin im negativen Bereich, dreht aber langsam nach oben. Der McLellen-Indikator auf die Advance Decline Line zieht ebenfalls langsam an. Positiv hervorzuheben ist die steigende Marktbreite; über 50 % der Aktien liegen wieder über ihren 200-Tage-Linien. Sowohl beim S&P 500 als auch beim Nasdaq liegen die Anteile der Aktien über der 200- und 50-Tage-Linie wieder über der kritischen 50%-Marke.
Der Volatilitätsindex VIX ist wieder deutlich unter die 20%-Marke gerutscht. Der Oszillator hat jedoch noch keinen Schwung nach unten gezeigt und ist negativ. Hier wären in den nächsten Tagen Rücksetzer wünschenswert, um die Gefahr von dieser Seite zu bannen.
Positiv ist die Zinsentwicklung. Die 30-jährigen und 10-jährigen Zinsen in Amerika sind deutlich zurückgegangen. Die Entscheidung der Fed, die Zinsen unverändert zu lassen, hat bislang keine negativen Auswirkungen gezeigt, obwohl die Fed auf die noch nicht unter Kontrolle befindliche Inflation und das starke US-Wirtschaftswachstum hingewiesen hat. Von der Zinsseite her gibt es derzeit eine Entspannung. Dies gilt auch für die kurzfristigen Zinsen, wo sich das Spread zwischen kurz- und langfristigen Zinsen deutlich zurückgebildet hat. Dies reduziert den Druck auf die Fed, die Zinsen aggressiv zu erhöhen.
Auch die Credit Spreads, insbesondere für High-Yield-Aktien, zeigen eine leichte Entspannung. Allerdings sind die Corporate Yields immer noch gestiegen, wenn auch auf niedrigem Niveau mit einem geringen Zinsaufschlag zu Staatsanleihen. Diese Entwicklung sollte beobachtet werden, da eine steigende Kapitalnachfrage von Hyper-Scalern diese Zinssätze erhöhen und die langfristige Rentabilität von Projekten in Frage stellen könnte, was zu Kursabschlägen bei den entsprechenden Unternehmen führen würde.
Betrachten wir nun andere Anlageklassen und Märkte. Ein Renditevergleich verschiedener Indizes über die letzten 10 Jahre zeigt eine deutliche Outperformance des SPY (kapitalmarktgwichteter S&P 500) gegenüber dem gleichgewichteten S&P 500 (SPW). Der Nasdaq-ETF (QQQ) und insbesondere der Halbleiter-ETF (SOX) haben mit 1300% die höchsten Renditen erzielt. Eingeflochten ist der MSCI USA Momentum Factor ETF (MTUM), der eine Momentumstrategie abbildet und unserer eigenen Strategie beim Hebelträder ähnelt, wenn auch auf breiterer Basis und mit Optionsscheinen.
Über die letzten 5 Jahre zeigt sich ein ähnliches Bild, mit dem Dow Jones, dem gleichgewichteten S&P und dem Russell 2000 (Small Caps) als Schlusslichter. Der kapimarktgwichtete S&P, der Momentum-ETF, der Nasdaq und der SOX performen besser. In den letzten 3 Jahren hat sich das Bild leicht gedreht, wobei der Momentum-ETF besser als der Nasdaq abgeschnitten hat. Die abwärtsgerichtete Tendenz seit Juli spiegelt den Drawdown im Hebelträder-Portfolio wider. Momentum-Aktien litten, auch bedingt durch die hohe Gewichtung von Hightech-Aktien und sinkende implizite Volatilität.
Die Jahresperformance im Vergleich zeigt den Halbleiter-ETF mit immer noch 70% im Plus, obwohl er bereits bei 120% lag. Der Momentum-ETF liegt mit 18% abgeschlagen, der Dow Jones mit 10%. Realistische langfristige Durchschnittsrenditen für den Halbleiter-ETF liegen bei 30%, für den QQQ bei 19% und für den Momentum-ETF bei knapp 15%. Diese Zahlen verdeutlichen die Schwierigkeit, kurzfristig hohe Renditen über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten.
Die Frage, ob man einfach den SOXX kaufen sollte, wenn die Renditen hoch sind, wird mit einem Blick auf die Phase von 1998-2003 beantwortet. Der SOXX zeigte damals eine Outperformance, gefolgt von einer langen Abwärtsphase mit enormen Volatilitäten. Ob wir uns aktuell am Beginn eines Hype-Zyklus oder am Top einer Blase befinden, ist nicht prognostizierbar. Daher ist die Fokussierung auf Momentumstrategien, die Sektorrotation und das Aussteigen aus Technologiewerten entscheidend.
Vergleicht man verschiedene Momentum-ETFs, so zeigen diese respektable Größen und Performance-Kennzahlen. Über die letzten drei Jahre sind Renditen zwischen 20% und 30% erzielbar. Durch die Anwendung von Optionsscheinen auf diese ETFs und deren Hebelung können beim Hebelträder deutlich höhere Renditen erzielt werden.
Betrachten wir Sektor-ETFs auf Tagesbasis. Der S&P 500 liegt mit 13% im Plus, der Gesundheits-ETF (XLV) bei knapp 16%. Technologieaktien (XLK) verzeichnen 32% und Ölaktien (XLE) fast 50%. Bei Ölaktien ist Hebelträder seit einigen Monaten stark investiert. Auf Monatsbasis performen XLE, Versorger (XLU) und Consumer Staples gut. Schlecht performen der Kommunikations-Index (XLC), der Meta enthält, und die Technologieaktien (XLK), die sich erst in den letzten fünf Handelstagen erholt haben. Aktuell ist XLK der beste Performer, XLC der schlechteste.
Unter den 40 beobachteten ETFs stehen Energie, Halbleiter, Cyber Security und teilweise Rohstoffe an der Spitze. Dieses Bild hat sich kaum geändert. Der SOXX ETF zeigt eine Seitwärtsphase mit einem Ausbruch nach unten, der teilweise zurückgehandelt wurde. Hier muss sich zeigen, ob ein Kaufsignal entsteht. Die Indikatoren sind noch leicht negativ bis beginnend positiv. Der Speicher-ETF hat sich von seinen Tiefständen erholt, was auf gute Zahlen von Micron, AMD und SK Hynix zurückzuführen ist. Speicherhersteller profitieren weiterhin von volle Auftragsbücher, finanziert von Hyper-Scalern. Der XLK hat den 200-Tage-Gleitenden Durchschnitt überwunden, was konstruktiv aussieht. Der Ölaktien-ETF (XLE) zeigt einen wunderschönen Aufwärtstrend, unterstützt durch eine saisonal bullische Phase ab Dezember und einen Ölpreis über 100$.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hightech-Börsen zwar volatil sind, aber von einem Crash sollte man noch nicht sprechen. Es handelt sich um eine normale Neubewertung einzelner Sektoren.
Kommen wir zu den Hebelträder-Empfehlungen und wichtigen Verhaltensweisen. Bei der Gesundheitsaktie Men, empfohlen am 28. September, liegen wir aktuell mit 151% im Plus, das erste Kursziel liegt bei 285%. Vor der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse am kommenden Dienstag wird empfohlen, Gewinne mitzunehmen, um nicht von möglichen Kursausschlägen negativ betroffen zu werden. Ähnliches gilt für Exon, wo bereits 374% Plus erzielt wurden. Da der Schein nur noch bis 18. Dezember läuft und nach Handelsgrundsätzen vier Wochen vorher verkauft werden würde, ist ein vorzeitiges Mitnehmen von Gewinnen ratsam. Bei Visa, wo bereits 338% Plus erzielt wurden, sind nach den Quartalsergebnissen nur noch 155% übrig. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, Gewinne nicht bis zum letzten Punkt auszureizen und die angegebenen Kursziele als Richtwerte zu betrachten.
Ein negatives Beispiel ist Service Now, wo die Aktie nach guten Ergebnissen um 20% abgestraft wurde. Der Schein lag mit 100% im Plus und wurde mit über 60% Verlust ausgestoppt. Solche Ereignisse sind nicht prognostizierbar, wie auch der Fall Google zeigt, der trotz guter Ergebnisse aufgrund hoher Investitionen um 10% fiel. Daher wird empfohlen, bei Teilgewinnen von 150% bis 200% vorzeitig Gewinne zu realisieren.
Interessante empfohlene Aktien sind SLB (ehemals Schlamberger) mit einem CV von 14,7, wo wir 14% im Plus liegen und das erste Kursziel weiteres Potenzial bietet. Die Aktie der Nasdaq