
Goldexperte Bußler: Die Rückkehr der Bullen?
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Der Edelmetallsektor zeigt sich derzeit in einer Korrekturphase, die nach unten tendiert. Die Korrekturziele für Silber bei 5350 und für Gold bei 4000 wurden im Prinzip erreicht. Es besteht die Möglichkeit weiterer Rückgänge, da der Edelmetallsektor dazu neigt, nach oben und unten zu übertreiben. Nach einer sehr starken Rallye im letzten Jahr bis in den Januar hinein, wurde diese nun ordentlich korrigiert. Obwohl niemand den genauen Zeitpunkt einer Trendwende vorhersagen kann, konzentriert man sich nun auf positive Signale, nachdem die Korrekturziele erreicht sind.
Aus charttechnischer Sicht gibt es momentan noch keine klaren Trendwendesignale. Es liegt eine Art Kapitulationsbewegung vor, und es ist möglich, dass der Goldpreis noch weiter fällt. Beim Silber wurde bereits ein neues Tief im Vergleich zum Juli-Tief erreicht. Die Minenaktien zeigen sich etwas widerstandsfähiger und verteidigen ihre Tiefs im Goldbereich relativ gut. Insgesamt herrscht eine trübe Stimmung, das Sentiment ist bärisch, und Kursziele werden nach unten angepasst, Analysten werden vorsichtiger. Dies ist jedoch typisch für große Böden im Edelmetallsektor, die oft von extrem bärischem Sentiment begleitet werden. Wir befinden uns in einer Kaufzone und suchen nach Trendwendesignalen. Trotz der aktuellen Frustration über den sich hinziehenden Markt, der sich länger anfühlt als die neun Monate von Ende Januar bis Ende Oktober, bleibt die grundlegende Haltung bullisch. Eine kurze Rallye, die insbesondere den Minen zugutekam, war nur eine Ausnahme in einer ansonsten nervenzehrenden Phase.
Ein Blick auf den Silberpreis zeigt das neue zyklische Tief unterhalb des Juli-Tiefs. Theoretisch könnte der Preis noch bis auf 50 fallen, jedoch gibt es dafür wenig charttechnische Evidenz. Indikatoren wie der MACD deuten bereits auf eine mögliche Aufwärtsbewegung hin, auch wenn die charttechnischen Signale noch fehlen. Es bleibt spannend, was die nächsten Tage bringen und ob sich charttechnische Trendwendesignale manifestieren.
Newmont, ein großer Akteur im Goldsektor, meldete vergangene Woche Zahlen, die auf den ersten Blick gut ausfielen. Der Gewinn lag mit 2,20 Dollar über den Erwartungen von 1,96 Dollar. Die Produktionsprognose von 5,3 Millionen Unzen wurde bestätigt, und die Kostenprognose wurde gesenkt, hauptsächlich aufgrund eines höheren Silberanteils als erwartet. Die All-in Sustaining Costs werden nun mit 1520 Dollar statt ursprünglich 1680 Dollar prognostiziert. Obwohl das vierte Quartal aufgrund von Investitionskosten (Capex) das höchste Kostenquartal sein wird, war die Leistung in den ersten neun Monaten so stark, dass die Jahreskostenprognose gesenkt werden konnte.
Die negative Reaktion des Marktes auf diese Nachrichten ist rätselhaft. Eine Bestätigung der Produktionsprognose, ein höherer Gewinn und gesenkte Kosten sollten die Bewertung eher verbessern. Die Argumentation, die Bewertung sei zu hoch, scheint angesichts der verbesserten fundamentalen Daten inkonsistent. Tatsächlich hat Newmont seit 2024 bereits 10 % der Aktien zurückgekauft, was ein deutliches Zeichen ist. Auch wenn im vierten Quartal eine große Zahlung von fast 2 Milliarden Dollar für das Vor-Milli-Projekt in Nevada fällig wird, ist dies bekannt. Eine Erhöhung der Dividende wäre trotz 8,8 Milliarden Dollar Cash-Bestand vor dieser Zahlung unwahrscheinlich. Die Reaktion des Marktes wird daher als schlicht falsch bewertet, und es wird erwartet, dass die Aktie noch höhere Kurse sehen wird.
IAG (Iamgold) wird diese Woche ebenfalls Zahlen veröffentlichen, wobei ein Gewinn von 2,28 Dollar pro Aktie erwartet wird. Interessant ist, dass die Aktien von New Gold und IAG im Vergleich zum Juli-Tief keine neuen Tiefs gemacht haben, sondern deutlich darüber liegen. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Aktien in der nächsten Hausse-Phase die Edelmetalle selbst outperformen werden. Diese These wird durch die Entwicklung bei Perseus Mining gestärkt, dessen Aktie nach der Veröffentlichung der Zahlen in Australien ebenfalls abgestraft wurde, obwohl das erste Quartal besser als prognostiziert war. Trotz eines um 15 % geringeren Goldausstoßes im Vergleich zum Vorquartal, was angekündigt war, reagierte der Markt negativ. Auch hier hat die Aktie im Vergleich zum Juni-Tief kein neues Tief gemacht. Dies deutet darauf hin, dass die nächste Hausse-Phase den Edelmetall-Aktien gehören wird und die Aktien möglicherweise deutlich über ihre früheren Hochs performen werden, während die Edelmetalle selbst "nur" in Richtung ihrer Allzeithochs laufen.
Nicht alle Aktien konnten ihre Tiefs verteidigen. Viele Silberaktien haben neue Tiefs erreicht, was auf den deutlich schlechteren Silberpreis und kleinere Probleme wie seismische Aktivitäten bei Pan American Silver zurückzuführen ist. Jeder Minenbetreiber hat seine eigenen Herausforderungen, sei es First Majestic Silver, das nicht glänzen konnte, oder Hochschild, das die Produktionsprognose senken musste. Diese individuellen Probleme ziehen sich durch den Silbersektor, gepaart mit dem neuen zyklischen Tief des Silberpreises.
Ein mysteriöser Sektor ist der Uran-Sektor. Der Uran-Spotpreis hat seit Ende Januar etwas verloren, läuft aber übergeordnet mehr oder weniger seitwärts, während die langfristigen Verträge anziehen. Aktuell liegt der Uranpreis bei etwa 88-89 Dollar, und die langfristigen Preise steigen. Das Umfeld für Uran ist sehr gut, doch die Uran-Aktien werden massiv nach unten durchgereicht. Kameko erreichte ein neues 52-Wochen-Tief, Paladin wurde ebenfalls stark abverkauft, und Energy Fuels litt unter dem doppelten Schlag von Uran- und Seltenerdenpreisen. Diese Diskrepanz zwischen stabilen Uranpreisen und fallenden Aktienkursen ist schwer zu erklären. Die Argumentation, dass die Korrektur der KI-Aktien den Uran-Sektor beeinflusst, ist nicht schlüssig, da der Bau von Atomkraftwerken nicht so kurzfristig auf Marktbewegungen reagiert. Für mich ist diese Diskrepanz eher eine Kaufgelegenheit, da man entweder etwas übersieht oder es sich um eine Unterbewertung handelt.
Ähnlich verhält es sich im Lithium-Sektor, auch wenn hier die Lithiumpreise deutlicher von ihren Hochs zurückgekommen sind. Die hohen Ölpreise haben jedoch bei vielen ein Umdenken bewirkt, was zu einer verstärkten Nachfrage nach Hybrid- oder Elektroautos und stationären Energiespeichern führt. Obwohl Lithium als zyklisch gilt, bin ich überzeugt, dass Investitionen in diesem Bereich, sei es in Albemarle, PLS oder SQM, sich in den kommenden Monaten auszahlen werden. Es gibt keine Garantien, aber die Überzeugung ist groß, dass Anleger Freude an diesen Kursen haben werden.