
Schröders Nebenwerte-Watchlist: Deutz, Siltronic, CEWE, Tonies – Für jeden was dabei
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Willkommen zu Schöers Nebenwerte Watchlist, wo heute zwei Comeback-Chancen und zwei Momentumperlen mit Michael Schöder besprochen werden.
**Deutz – Comeback-Chance**
Der Motorenhersteller Deutz steht am 5. November vor der Vorlage seiner Q3-Bilanz. Die Aktie hat in den letzten fünf Wochen rund 25% verloren, allerdings nach einer vorherigen starken Aufwärtsbewegung. Das Unternehmen befindet sich in einem Wandel weg vom konjunktursensiblen Kerngeschäft hin zu einer breiteren Aufstellung in den Bereichen Energieversorgung und Verteidigung. Hierzu wurden in den letzten Monaten Übernahmen getätigt, darunter die Flensburger Fahrzeuggesellschaft (FFG) im Verteidigungsbereich. Der geplante Kauf der FFG soll das Unternehmen in neue Umsatz- und Margendimensionen vorstoßen lassen und das margenstarke Servicegeschäft stärken.
Ursprünglich wurde der Vollzug der FFG-Übernahme für das Q1 2027 in Aussicht gestellt. Jüngste Gerüchte deuten jedoch darauf hin, dass die Übernahme möglicherweise bereits im laufenden Jahr, zum 1. November oder 1. Dezember, stattfinden könnte. Dies hätte einen doppelten positiven Effekt auf das Sentiment: Erstens könnten mittelfristige Prognosen durch das zugekaufte Geschäft früher erreicht werden. Zweitens würde eine frühere Konsolidierung der FFG (ein oder zwei Monate im Jahr 2026) einen kleinen Beitrag zum bereinigten EBIT und Umsatz leisten, was potenziell dazu führen könnte, dass die aktuellen Jahresprognosen übertroffen werden. Jede Prognoseerhöhung wird positiv für das Sentiment der Aktie sein und könnte ihr einen neuen Impuls geben.
Die bevorstehenden Q3-Zahlen am 5. November sollten insgesamt im Rahmen der Erwartungen liegen. Es bleibt abzuwarten, ob es weitere Indikationen bezüglich des FFG-Deals gibt. Michael Schöder ist zuversichtlich, dass die Aktie kurz- und mittelfristig ihren mittel- bis langfristigen Aufwärtstrend fortsetzen wird, unterstützt durch mögliche kurzfristige Impulse. Nach dem jüngsten Kursrücksetzer bietet sich hier eine Comeback-Chance. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 15,77 €, was rund 50% über dem aktuellen Kurs von etwa 10 € liegt. In den letzten Wochen wurden die Kursziele von Analysten deutlich nachgebessert, was die interessante Konstellation untermauert.
**Siltronic – Comeback-Chance im Halbleiterbereich**
Die Siltronic-Aktie hat sich vom Hoch halbiert, was die allgemeine Verunsicherung im KI- und Halbleiterthema widerspiegelt. Nach einer dynamischen Aufwärtsbewegung im Frühjahr konsolidiert die Aktie nun und hat das Ausgangsniveau der ursprünglichen Kursexplosion erreicht. Die Frage ist, ob dies eine Einstiegschance oder ein Warnsignal ist.
Das Gesamtmarktumfeld ist von Sorgen und extremer Volatilität im Halbleiter- und KI-Sektor geprägt, wobei die Stimmung teilweise im Tagesrhythmus schwankt. Für Siltronic dreht sich alles um die Belebung der Nachfrage. Es wird erwartet, dass Kunden wie TSMC, Intel oder Samsung ihre Wafer-Lagerbestände so weit abgebaut haben, dass sie bald wieder größere Mengen nachbestellen müssen. Michael Schöder geht davon aus, dass ein Wendepunkt (Turning Point) langsam erreicht wird. Die Quartalszahlen am 4. November für Q3 werden zeigen, ob sich diese Tendenz bestätigt. Im 300mm-Bereich dürfte die Nachfrage nach Wafern weiterhin groß sein, während der 200mm-Bereich schwach bleiben könnte.
Der jüngste Kursrücksetzer unter die 60-€-Marke wird für Anleger mit Weitblick, die auf einen nachhaltigen Zyklus im KI- und Halbleiterbereich setzen, als interessante Einstiegsgelegenheit betrachtet. Es könnte sinnvoll sein, bereits im Vorfeld der Zahlen eine erste Position aufzubauen, da bei positiver Aufnahme der Zahlen durch den Markt eine schnelle Erholung möglich ist. Der Chart zeigt, dass Kursrücksetzer und -anstiege von 20% innerhalb weniger Tage keine Seltenheit sind. Trotz kurzfristiger Unsicherheit sollte Siltronic langfristig von den Trends im KI- und Halbleiterbereich profitieren.
Das durchschnittliche Analystenkursziel für Siltronic liegt bei knapp 100 €, wobei einzelne Ziele sogar 120-130 € erreichen – deutlich über dem aktuellen Niveau. Angesichts der Volatilität und der Möglichkeit weiterer Prognosesenkungen (wie am Beispiel von Sus Microtech gezeigt) wird interessierten Anlegern empfohlen, gestaffelt vorzugehen. Ein erster Fuß in die Tür und ein Ausbau der Position bei weiter steigenden Kursen könnten eine Strategie sein, um nicht vor den Zahlen und Aussagen des Vorstands das volle Risiko einzugehen.
**CW – Momentum-Perle**
CW ist bekannt für Fotoprodukte, insbesondere Fotobücher, die in der Weihnachtszeit Hochkonjunktur haben. Das Unternehmen hat sein Geschäftsfeld weiter fokussiert: Der kommerzielle Online-Geschäftsbereich wurde im Mai verkauft, um sich noch stärker auf das Fotofinishing, also das Fotobuchgeschäft, zu konzentrieren.
Eine wichtige Entwicklung ist die Übernahme von Kodak Moments, einem amerikanischen Anbieter im Sofort-Fotogeschäft. Dies stärkt nicht nur die Fokussierung auf das Fotofinishing (nun auch im Bereich Einzelbilder), sondern vertieft auch die internationale Präsenz und Wertschöpfungstiefe von CW. Gerade bei der jüngeren Generation sind Sofortbilder sehr beliebt. Diese Übernahme wird sich mittelfristig positiv im Zahlenwerk niederschlagen und als Katalysator für steigende Margen dienen, was in der Regel auch steigende Kurse an der Börse bedeutet.
Die Aktie hat bereits einen Vorschusslorbeer für diesen Deal erhalten und konnte eine dreijährige Seitwärtsbewegung nach oben beenden. Aus Michael Schöders Sicht hat das Thema mittelfristig noch deutliches Potenzial. Die Bewertung ist mit einem KGV von 12 noch günstig. Auch hier sind die Analysten optimistisch: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 147 €, wobei die Tendenzen der Analysten aufgrund des beschriebenen Szenarios und der günstigen Bewertung eindeutig positiv sind. Auch wenn noch kartellrechtliche Genehmigungen ausstehen, ist der Optimismus begründet.
Zusätzlich zum fundamentalen und analystischen Optimismus gibt es ein charttechnisches Kaufsignal. Die Aktie notiert auf einem 52-Wochen-Hoch, was sie zu einer sauberen Momentumperle macht. Michael Schöder ist zuversichtlich, dass sich dieser Trend in den kommenden Wochen und Monaten fortsetzen wird. Er empfiehlt auch hier ein gestaffeltes Vorgehen, um zwischenzeitliche Rücksetzer zum Aufbau oder Ausbau der Position zu nutzen. CW wird als weniger dynamisch und spekulativ als Siltronic oder Deutz eingeschätzt, sondern eher als interessante, günstige deutsche Aktienperle für Anleger mit Weitblick und langem Atem.
**Tonies – Momentum-Perle**
Auch bei Tonies stehen die Q3-Zahlen am 12. November an. Diese sind jedoch nicht der Haupt-Trigger für die Aktie. Viel wichtiger ist das Feiertagsgeschäft, insbesondere Black Friday und Weihnachten. Die Umsatzprognosen für das laufende Jahr liegen bei rund 770 Millionen Euro, was einem währungsbereinigten Wachstum von 20% entspricht. Nach dem Halbjahr standen 242,9 Millionen Euro zu Buche, was bedeutet, dass das Unternehmen im zweiten Halbjahr, und vor allem im traditionell starken Q4, noch knapp 530 Millionen Euro Umsatz erzielen muss.
Beim bereinigten EBIT sind die Erwartungen noch deutlicher: Um rund 70 Millionen Euro zu erreichen, wurden im ersten Halbjahr lediglich 1,8 Millionen Euro erzielt. Dies ist jedoch kein ungewöhnliches Muster; es hat in den letzten Jahren immer funktioniert, da das zweite Halbjahr traditionell viel stärker ist. Die Basis hierfür wurde mit der Tony Box 2 und weiteren Entwicklungen geschaffen.
Der jüngste Kurssprung der Aktie ist auf eine Reihe positiver Analystenschätzungen zurückzuführen, die die hier zusammengefassten Punkte detailliert beleuchten. Der Analystenkonsens zeigt ein durchschnittliches Zielkurs von 17,90 €, wobei die Mehrheit der Analysten die Aktie positiv bewertet und ihre Kursziele über dem aktuellen Niveau liegen. In den nächsten Tagen rund um die Q3-Zahlen könnte es zu einer Konsolidierung kommen, was nach einem solchen Kurssprung nichts Ungewöhnliches wäre.
Es geht bei Tonies nicht nur um die kurzfristige Entwicklung, sondern um die mittelfristige Fortsetzung des Aufwärtstrends, der durch die im Q4 erwirtschafteten Zahlen im Januar/Februar weiter befeuert werden sollte. Dieser Effekt ist kein Einmaleffekt; in den letzten Jahren hat die Aktie zum Jahresende in Erwartung eines starken Schlussquartals stets gut performt. Der Aufwärtstrend ist intakt. Michael Schöder ist weiterhin positiv für die weitere Entwicklung gestimmt und ist überzeugt, dass die kurzfristig genannten Kursziele zwischen 15 und 17 € im Frühjahr erreicht werden können. Die Position im Realdepot hat mit dem jüngsten Kurssprung sogar die 100%-Marke überschritten, auch wenn sie im Rahmen einer Konsolidierung wieder darunter fallen könnte.
Dies waren die Einschätzungen zu den vier Werten für heute.