
Goldexperte: Fed-Entscheid & Weltlage – wohin steuern Gold und Silber?
Audio Summary
AI Summary
In dieser Episode des Money Train Podcasts diskutieren Nadine und Markus Busler, Redakteur bei Der Aktionär und Experte für Edelmetalle, Rohstoffe und Minenaktien, die aktuellen Entwicklungen an den Märkten, insbesondere die Rolle von Zinsentscheidungen der Fed und geopolitischen Unsicherheiten auf die Kurse von Gold und Silber.
Markus Busler gibt zu Beginn einen Überblick über die Performance von Gold und Silber in den ersten drei Quartalen des Jahres. Nach einem starken Januar folgte eine neunmonatige Konsolidierungs- oder Korrekturphase, die sich „schmerzhaft“ und „nervig“ anfühlt. Er erinnert an die enorme vorangegangene Rally, bei der Silber fast 120 Dollar erreichte und Gold eine prozentual ähnlich starke Rally wie in den 70er Jahren erlebte. Die aktuelle Korrektur, obwohl hart, sei im Verhältnis zu früheren Korrekturen normal und könnte sich ihrem Ende nähern.
Gold erreichte im Januar Höchststände von 5500 bis 5600 Dollar, gefolgt von einer heftigen Korrektur. Geopolitische Ereignisse, wie der Krieg in der Ukraine, trieben den Ölpreis und somit die Inflation in die Höhe. Technisch sei die Korrektur überfällig gewesen. Das aktuelle Sentiment sei extrem bärisch, Analysten passten Kursziele nach unten an, was laut Busler typisch für eine Bodenbildung sei.
Die Hoffnungen auf Zinssenkungen zu Jahresbeginn wandelten sich im Laufe des Jahres aufgrund des Ukraine-Krieges, steigender Öl- und Spritpreise sowie Trumps Zöllen, die die Inflation anheizten, zu Ängsten vor Zinserhöhungen. Dieser Umschwung von Zinssenkungsfantasie zu Zinserhöhungsangst war für Gold das „schlimmste Szenario“. Historisch reagiert Gold nicht so sensibel auf tatsächliche Zinserhöhungen, wohl aber auf diese Stimmungsumschwünge.
Busler blickt auf die bevorstehende Fed-Sitzung. Laut FedWatch Tool rechnen 90 % der Marktteilnehmer damit, dass die Zinsen stabil bleiben werden, während nur 10 % eine Erhöhung erwarten. Für Dezember sei die Situation anders: Hier rechnen 80 % mit einer weiteren Zinsanhebung, da die Fed in ihrer letzten Sitzung zwei Erhöhungen für das Jahr in Aussicht stellte und eine noch aussteht. Diese Ungewissheit belaste den Goldpreis.
Er betont, dass die Fed selten überrascht, da die Märkte durch Kommunikation im Vorfeld vorbereitet werden. Die eigentliche Zinsentscheidung selbst sei oft schon eingepreist. Der entscheidende Faktor sei nicht die einzelne Zinsanhebung, sondern der Prozess des Umschwungs von Zinssenkungsfantasie zu Zinserhöhungsangst.
Auf die Frage nach einem möglichen Wendepunkt angesichts weiterer Zinsanhebungen im Dezember erklärt Busler, dass das Überraschungspotenzial eher darin liege, dass die Zinsen entgegen den Erwartungen nicht erhöht werden oder die Fed aufgrund schwacher Wirtschaftsdaten zurückrudern muss. Er glaubt nicht, dass die Zinsen der entscheidende Faktor sein werden, da die USA mit 40 Billionen Dollar Schulden bei steigenden Zinsen höhere Refinanzierungskosten hätten. Zudem würden höhere Zinsen die Lebenshaltungskosten für US-Bürger weiter verteuern, was die Wirtschaft abwürgen könnte. Daher seien immense Zinssprünge unwahrscheinlich.
Im „Was wäre wenn“-Szenario einer überraschenden Zinserhöhung, die Busler für „praktisch ausgeschlossen“ hält, würden die Märkte mit einem „Mini-Crash über Nacht“ reagieren, der Aktien-, Gold-, Silber- und Kryptomärkte erfassen würde. Ein viel spannenderes Szenario wäre eine überraschende Zinssenkung. Dies könnte dazu führen, dass der US-Dollar abwertet, was den USA auf den internationalen Märkten Vorteile verschaffen würde. Ob Fed-Chef Powell sich dies in einem inflationären Umfeld trauen würde, sei fraglich, aber es wäre ein „interessanter Move“. Eine Zinssenkung würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer „All-Asset-Rally across the board“ führen.
Busler erläutert die unterschiedliche Reaktion von Gold und Silber. Gold, hauptsächlich ein Anlagemetall mit geringem industriellen Nutzen, reagiere träger. Silber hingegen sei zur Hälfte ein Industriemetall und reagiere volatiler. In einem inflationären Umfeld sollten Rohstoffe gut performen, daher sollte Silber eigentlich besser abschneiden. Die aktuelle Inflation sei jedoch keine klassische Nachfrageinflation, sondern eher durch Zölle und Lieferkettenunterbrechungen bedingt. Silber hat in der Korrektur über 50 % vom Top verloren, was die Brutalität dieser Phase unterstreicht und sich auch auf Silberaktien auswirkt.
Zur Frage, wie Anleger sich verhalten sollen, rät Busler zum Kauf. Er betont, dass dies nicht immer seine Empfehlung sei, aber angesichts der erreichten Korrekturziele habe sich das Chance-Risiko-Verhältnis „in Richtung große Chance“ verschoben. Er empfiehlt gestaffeltes Einsteigen, da der genaue Boden nicht vorherzusagen sei.
Bezüglich Minenaktien, die als berechenbarer gelten könnten, lacht Busler. Sie seien zwar nicht berechenbar, hätten sich aber in der jüngsten Konsolidierung besser gehalten als Gold und Silber. Während Gold auf das Ausgangsniveau zurückfiel und Silber neue Tiefs erreichte, hätten Minenaktien nur etwa 50 % des vorherigen Anstiegs korrigiert und lägen noch deutlich über den Juli-Tiefs. Dies sei ein klares Zeichen dafür, dass Minenaktien in der nächsten Rally besser performen werden als die Edelmetalle selbst, da sie einen Hebel bieten. Die Cashflows der Minenunternehmen seien so stark wie nie zuvor, was noch nicht vollständig eingepreist sei. Er nennt als Beispiel Newmont, das seine Kostenprognose auf 1520 Dollar senkte, während Gold immer noch bei 4000 Dollar liegt – eine Marge, die es historisch noch nie gegeben habe. Dies könnte Generalisten in den Sektor zurücklocken.
Für konservative Anleger empfiehlt er Namen wie Newmont, aber für spekulativere Anleger, die von einem größeren Hebel profitieren möchten, könnten kleinere Produzenten wie B2Gold oder Equinox Gold interessant sein. Bei hochspekulativen Explorationsunternehmen sei eine detaillierte Chance-Risiko-Analyse unerlässlich.
Busler blickt auch auf andere Rohstoffe. Im Uransektor herrsche eine „ganz, ganz komische Situation“. Uranaktien seien „zerstört“ worden, während der Uran-Spotpreis konstant bei 88 bis 90 Dollar je Pfund stehe und die langfristigen Preise sogar darüber lägen. Trotz eines extrem negativen Sentiments für Uranaktien sei das Umfeld und der Uranpreis selbst eigentlich positiv. Hinzu komme die „KI-Story“ mit Rechenzentren und dem steigenden Energiehunger, der eine Renaissance der Kernkraft heraufbeschwöre. Kernkraftwerke würden nicht aufgrund kurzfristiger Korrekturen von KI-Aktien gestoppt. Die Situation im Uranbereich sei „völlig überzogen“.
Abschließend gibt Busler einen Einblick in den Börsenbrief Goldfolio, den er seit 2015 betreut. Ursprünglich stark auf Gold und Silber fokussiert, wurde das Produkt schrittweise um andere Rohstoffe wie Lithium und möglicherweise Uran erweitert, um sich von den Edelmetallen zu emanzipieren und Chancen in anderen Sektoren zu nutzen.
Die Episode endet mit dem Hinweis, dass die Glaskugel für genaue Vorhersagen fehle, aber die besprochenen Einflussfaktoren und Einschätzungen einen guten Überblick über die aktuelle Lage bieten.