
Börsenpunk: Meta und die KI-Angst - reichen starke Zahlen nicht mehr? Nike im Abwärtsstrudel
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Herzlich willkommen zur neuen Börsenpunk Ausgabe. Heute stehen einige spannende Themen auf der Agenda: Ein Blick auf den zuletzt ins Wanken geratenen KI-Trade, ein Rückblick auf die "Bar der Trading Days" und eine kritische Auseinandersetzung mit der Aktie von Nike, um herauszufinden, ob dem Unternehmen endgültig die Luft ausgeht.
Wir beginnen mit den Fragen aus dem Publikum. Fred aus Hamburg fragt nach Polaris. Polaris ist ein Hersteller von Nutzfahrzeugen, Offroad-Fahrzeugen und Schneemobilen wie z.B. den "Shidus". Diese Fahrzeuge können laut Sprecher viel Spaß machen. Polaris hat seine Umsatzprognose für 2026 auf 2-5% Wachstum angehoben und gewinnt seit fünf Quartalen Marktanteile bei Offroad-Fahrzeugen. Dies wird als positives Zeichen gewertet: eine gute Nischenpositionierung, ein solides Händlernetz und ein sauberer Vertrieb. Dennoch ist Polaris nicht die erste Wahl des Sprechers und wäre auch nichts für ein 80%-Portfolio. Die Aktie scheint sich nach der Prognoseanhebung wieder zu erholen und kann gehalten werden.
Als Nächstes widmen wir uns Meta, gefragt von Chris Marita. Meta hat kürzlich sehr gute Zahlen vorgelegt, mit Umsatz und Gewinn über den Erwartungen. Die KI-Investitionen belaufen sich auf 26-40 Milliarden Dollar, was positiv gesehen wird. Besonders spannend sind die auf der Connect 26 vorgestellten "Meta Muse" und "Meta Charm". "Meta Muse" ist eine App, die in Zukunft als KI-Agent fungieren soll. Anstatt für jede Aufgabe eine eigene App zu benötigen, soll dieser Agent alle Erledigungen übernehmen, von Bestellungen bis hin zur Buchung von Reisen. Dies hätte für Meta einen enormen Hebel, da das Unternehmen Zugang zu 3,6 Milliarden Menschen über seine Plattformen (Facebook, Instagram, WhatsApp) hat. Wenn es Meta gelingt, diesen Agenten zu monetarisieren, könnte dies einen gewaltigen Gewinn-Boost bedeuten. Allerdings gibt es Einschränkungen: Der Agent ist in Deutschland noch nicht verfügbar und wird von einigen Webseiten, wie Amazon, Delta Airlines oder Charles Schwab, ausgesperrt. Mark Zuckerberg steht hier vor der Herausforderung, die Monetarisierung voranzutreiben. Der Chart von Meta zeigt, dass KI-Werte zuletzt unter Druck geraten sind. Bei einem Kurs von 550 Dollar könnte eine Position interessant werden, wobei die KI-Thematik weiterhin im Fokus bleiben muss.
Matthias fragt nach VinFast, einem vietnamesischen Elektroautohersteller. Der VF6 dient als Basis für die Robotaxi-Firma Autobrains aus München. VinFast ist kein kleiner Akteur und verkaufte im ersten Halbjahr 2026 rund 130.000 Autos, ein Plus von 80% gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen expandiert in Vietnam, Indien und auf den Philippinen. Allerdings wird das Alleinstellungsmerkmal in Bezug auf Design, Software, Infotainment und insbesondere den Preis hinterfragt. Der VF6 EQ kostet in Deutschland 35.000 Euro, teurere Modelle wie der VF9 liegen bei 90.000 Euro. Ein Preis-Alleinstellungsmerkmal wird verneint. Zudem wird die Aktie als viel zu teuer für den Börsenwert eingeschätzt.
Es gibt viele Nachfragen zu General Mills, einem amerikanischen Lebensmittelkonzern, der ein breites Portfolio von Zerealien bis hin zu Fertiggerichten anbietet. Zuletzt verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 2% und einen Gewinnrückgang von 16%. Die Ursachen liegen in der hohen Inflation, die Konsumenten zu günstigeren Produkten greifen lässt, sowie in sich ändernden Essgewohnheiten hin zu gesünderer Ernährung, wofür die Produkte von General Mills nicht immer optimal positioniert sind. Ab 2027 erhält General Mills einen neuen CEO. Man erwartet keine sofortigen Explosionen, aber Kontinuität. Es wird erwartet, dass das Portfolio weiter angepasst wird, wie bereits durch den Verkauf der Joghurtsparte und die Konzentration auf Premium-Tiernahrung geschehen. Die Aktie hat sich nach einem starken Abverkauf wieder gefangen und wird als haltenswert eingestuft. Es wird beobachtet, dass mehr Geld in "Oldschool"-Geschäftsmodelle zurückfließt.
Sebo 1012 fragt nach Unitree, einem chinesischen Roboterhersteller. Das Unternehmen ist gut im Geschäft und ging kürzlich an die Börse, wobei die Aktie am ersten Handelstag um 600% stieg, was die Euphorie in diesem Sektor verdeutlicht. Unitree bietet zweibeinige und vierbeinige Roboter an, die bereits in Unikliniken und der Industrie eingesetzt werden. Die G1-Serie kostet beispielsweise 13.500 Dollar. Dennoch wird das Unternehmen als extrem teuer eingestuft. Die Aktie ist nur in Hongkong handelbar. Ein wichtiger Punkt ist die Frage, ob europäische oder deutsche Unternehmen bereit wären, "Made in China"-Produkte in ihrer Fertigung einzusetzen. Dies wird als unwahrscheinlich eingeschätzt, weshalb von einer Investition abgeraten wird.
Reinhold fragt nach Ecolab. Ecolab ist ein Unternehmen, das Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel und Spülmittel herstellt. Trotz dieser eher unspektakulären Produkte erzielt das Unternehmen eine schöne Umsatz- und Gewinnentwicklung. Zuletzt hat sich Ecolab durch zwei Zukäufe verstärkt: im Bereich hochreines Wasser für die Chip-Produktion und im Bereich Kühlwasser für KI-Rechenzentren. Diese Investitionen kosteten rund 7 Milliarden Dollar und erweitern das Geschäftsfeld. Die Aktie wird als sehr teuer eingestuft, was wenig Raum für Enttäuschungen lässt. Es wird auf einen Rücksetzer gewartet, um weitere Anteile kaufen zu können, da das Unternehmen grundsätzlich sehr gut aufgestellt ist.
Es gibt Kommentare zu Schokolade, mit Empfehlungen für Läderach und weitere Schokoladenprodukte aus der Schweiz.
Nun zu den KI-Aktien. Die Musik in diesem Bereich ist in den letzten Tagen deutlich leiser geworden. Das Problem liegt in der anhaltend hohen Inflation, die dazu führt, dass der Markt höhere Zinsen über einen längeren Zeitraum einpreist. Die Probleme sind nicht neu: riesige Ausgaben mit unklarem Rückfluss, insbesondere bei den Investitionen der Hyperscaler in KI. Die Frage ist, wann und in welchem Umfang sich diese Investitionen in dauerhafte Gewinne auszahlen. Schulden und Finanzierung sind ein weiteres großes Problem. Anbieter wie CoreWeave, die den KI-Ausbau stark über Schulden finanzieren, werden bei steigenden Zinsen und höheren Kreditkosten anfällig. Dies betrifft nicht nur CoreWeave, sondern auch andere Unternehmen. Man solle sich nicht von Schlagzeilen blenden lassen und vorsichtig sein, wenn es heißt, jetzt sei der richtige Zeitpunkt für Käufe ("Buy the Dip"). Die Messlatte für viele Unternehmen liegt extrem hoch, was bedeutet, dass hohe zukünftige Wachstumsraten eingepreist sind. Werden diese nicht eingehalten, geraten die Aktien unter Druck.
Die Bank of America sieht die höchste Konzentration in Tech-Aktien seit 2020, mit einem Rückbau von Einzelpositionen von einem extrem hohen Niveau. Die UBS glaubt weiterhin an den KI-Trade, sieht aber die Hyperscaler am besten positioniert, gefolgt von Unternehmen im Bereich Zahlungsabwicklung, Medizintechnik und Pharma.
Für die eigene Anlage bedeutet dies, den Fokus auf die Portfoliopyramide zu legen, insbesondere auf die Basis. Es gilt, Klumpenrisiken zu vermeiden und nicht alles in KI oder Tech-Wachstumsaktien zu investieren. Eine breite Aufstellung des Portfolios schützt vor Krisen.
Abschließend ein kurzer Rückblick auf die "Bar der Trading Days" in München. Der Cappuccino war gut. Markus Koch hatte die bessere Frisur, Natalie Richard spielte in einer anderen Liga, und Tim Schäfer verkörperte "Buy and Hold at its best". Ein wiederkehrendes Thema war Nike.
Die Frage ist, ob Nike die Luft ausgeht oder ob es Comeback-Potenzial gibt. Der langfristige Sporttrend und der Wunsch nach mehr Bewegung und Gesundheit sind weiterhin intakt. Das Problem für Nike sind jedoch zunehmend innovative Marken wie Hoka, ON und Salomon, die Nike in verschiedenen Kategorien Marktanteile abgraben. Nikes Hauptproblem liegt darin, dass sie die Basis verloren haben, als sie sich auf den Direktvertrieb konzentrierten und aus den Regalen der Händler verschwanden. Nun wollen sie zurück, doch die Händler haben ihre Flächen bereits mit anderen Marken belegt.
Ein weiteres Problem ist China, wo Nike rund 15% seines Umsatzes erzielt. Lokale Marken wie Anta und Xtep werden immer stärker, und die chinesische Kundschaft bevorzugt zunehmend heimische Produkte. Der Onlinehandel funktioniert anders, mit lokalen Influencern, und Nike muss sich hier anpassen.
Auch Jordan hat an Zugkraft verloren. Mit einem Umsatzanteil von 7% ist die Marke gealtert. Jüngere Konsumenten kennen Jordan nicht mehr oder er ist nicht mehr präsent. Es ist fraglich, ob Jordan in Zukunft noch einmal solche Sprünge wie früher machen kann.
Die Fachpresse ist geteilter Meinung. Dick Sporting Goods ist zuversichtlich, dass neue Produkte wie der Nike ZoomX Invincible Run Flyknit 3 und die Basketball-Pipeline positiv sind, aber alte Bestseller ziehen nicht mehr, und neue Produkte müssen erst Umsatz generieren. JD Sports ist optimistischer und sieht ein Nike-Comeback nur als Frage der Zeit.
Für eine spekulative Anlage in Nike wird vorgeschlagen, ein Drittel der investitionsbereiten Summe einzusetzen, mit einem Stoppkurs von 15-20% darunter. Wichtig sind die Analystentage von Nike am 16./17. November. Dort werden Fragen zur China-Strategie, zur Jordan-Strategie und zu den Aussagen von CEO John Donahoe bezüglich neuer Produkte und deren Annahme beantwortet. Kritisch wird erwähnt, dass John Donahoe seit seinem Amtsantritt einen Kursverlust von 60% zu verantworten hat. Es wird spekuliert, dass jemand wie Helmut Fischer, der Puma wieder groß gemacht und Adidas vorangebracht hat, Nike zu einem Comeback verhelfen könnte.
Abschließend wird die Community aufgerufen, über Nike zu diskutieren, um Material für die nächste Sendung zu sammeln. Wenn die Sendung gefallen hat, wird zum "Like" aufgerufen.