
Krypto-Ausleseprozess: Wer überlebt 2026? | Richy Dittrich
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Herzlich willkommen zu diesem Daktionär TV Interview, bei dem wir tief in die aktuellen Entwicklungen des Kryptomarktes eintauchen. In letzter Zeit haben Nachrichten den Markt stark beeinflusst, was zu erheblichen Verkaufsdruck und seitlichen Marktphasen geführt hat. Mein heutiger Gast, Richard Dittrich von Bison, und ich werden einige dieser Entwicklungen beleuchten.
Wir beginnen mit dem Thema Hebel und gehebelte Produkte. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Aktivität sowohl bei gehebelten Positionen als auch bei echten Coin-Trades deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2025 lag das Volumen bei echten Coins bei 2,1 Billionen US-Dollar, aktuell sind es noch 1,13 Billionen US-Dollar. Bei gehebelten Positionen war der Rückgang von fast 6 Billionen US-Dollar auf fast 4 Billionen US-Dollar zwar ebenfalls spürbar, aber weniger stark. Dies deutet darauf hin, dass die Aktivität im gehebelten Markt weiterhin höher ist und viele Transaktionen dort nicht sofort am Kryptomarkt sichtbar sind. Dies ist ein Grund für die häufigen seitlichen Marktphasen. Wenn es zu starken Ausschlägen kommt, die durch Nachrichten ausgelöst werden und Positionen aufgelöst werden müssen, sehen wir diese extremen Bewegungen.
Diese Hebelpositionen können starke Ausschläge verursachen. Wenn man beispielsweise mit einem Hebel von zehn auf Bitcoin setzt und nur ein Zehntel als Sicherheit hinterlegt, kann eine kleine Marktbewegung große Auswirkungen haben. Wenn der Markt gegen die eigene Position läuft und die Sicherheit aufgebraucht ist, kommt es zur Liquidation. Bei Short-Positionen bedeutet dies, dass die Plattform Bitcoin kaufen muss, um die Position aufzulösen, was den Preis weiter treiben kann und weitere Short-Positionen liquide werden lässt. Diese sich selbst verstärkenden Kreisläufe führen zu den extremen Ausschlägen, die wir in letzter Zeit häufig beobachten. Bitcoin ist hierbei oft am stärksten betroffen, da es den größten Marktanteil hat.
Ein Beispiel für solche extremen Ausschläge war der 19. August, als das US-Finanzministerium ankündigte, mehr Anleihen zurückzukaufen, um die Zinsen zu senken. Dies führte zu einem Sprung des Kryptomarktes und löste Verkaufsabschläge in Höhe von bis zu 2,7 Milliarden US-Dollar aus. Die Nachricht, dass Amerika am langen Zinsende dreht, wurde von vielen als Signal interpretiert, dass Bitcoin möglicherweise eine stabilere und unabhängigere Währung als Fiatgeld ist und eine Absicherung gegen Geldentwertung darstellt.
Ein weiteres wichtiges Thema ist der gescheiterte Clarity Act in den USA. Dieses Gesetz hätte definieren sollen, ob ein Krypto-Asset als Rohstoff oder Wertpapier einzustufen ist, was wiederum die zuständige Aufsichtsbehörde bestimmt hätte. Der Entwurf des Gesetzes war bereits im Repräsentantenhaus verabschiedet worden, scheiterte aber im Senat nur knapp an elf Stimmen. Ein Grund für das Scheitern waren auch ethische Bedenken, da Abgeordnete weiterhin direkten oder indirekten Geschäften am Kryptomarkt nachgehen durften. Obwohl das Gesetz nicht verabschiedet wurde, versuchen US-Behörden weiterhin, regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen. So hat die SEC bereits entschieden, eine Reihe von Coins, darunter auch XRP, als Rohstoffe einzustufen. Dies ist jedoch keine Gesetzgebung im eigentlichen Sinne und kann von zukünftigen SEC-Führungen geändert werden.
Kurz nach dem Scheitern des Clarity Act hat die SEC angekündigt, den Handel mit Wertpapieren für die nächsten fünf Jahre digital zuzulassen, was zeigt, dass die Märkte versuchen, sich zu stabilisieren.
Wir werfen auch einen Blick auf Altcoin-ETFs. Der Markt wird stark von Bitcoin und Ethereum dominiert; 94% des Kapitals in Krypto-ETFs sind in diesen beiden Assets investiert. Nur 6% des Volumens, also 4,4 Milliarden US-Dollar, stecken in klassischen Altcoin-ETFs. Ein großer Teil davon entfällt auf XRP und Solana, gefolgt von einem weit abgeschlagenen Rest. Dies zeigt, dass das Geld wählerisch ist und sich weiterhin auf die etablierten Player konzentriert. Ähnlich wie bei Aktien-ETFs verschwinden auch am Kryptomarkt viele ETFs wieder, wenn sich zeigt, dass sie sich nicht gegen die etablierten Produkte durchsetzen können. Es wird erwartet, dass es weiterhin Bereinigungswellen geben wird, insbesondere wenn der Markt sich auf neue Coins konzentriert.
Ein aufkommendes Thema sind KI-Agenten und deren Interaktion im Kryptomarkt. Das Narrativ besagt, dass KI-Agenten eigenständig Wallets eröffnen und Geldtransfers durchführen. Dies ist besonders relevant, da herkömmliche Zahlungsmethoden wie Kreditkartentransaktionen mit Gebühren von etwa 30 Cent für kleine Beträge zu teuer wären. Stable Coins sind hier eine effizientere Lösung. Das Transaktionsvolumen von Stable Coins hat zugenommen, was auf ein anhaltendes Interesse am Markt hindeutet, auch wenn dies nicht immer direkt den Preis der Kryptowährungen beeinflusst. Viele Stable Coins werden als Sicherheiten für derivative Produkte eingesetzt.
Es gibt spezielle Protokolle wie X402, die es KI-Agenten ermöglichen, Transaktionen durchzuführen, ohne aufwendige KYC-Prozesse durchlaufen zu müssen. Ein Agent kann mit einer Wallet verknüpft werden und Gelder für bestimmte Aufgaben einsetzen. Obwohl die Anzahl der echten KI-Transaktionen noch gering ist, werden die Weichen für die Zukunft gestellt. KI-Agenten werden zunehmend spezialisierter und werden voraussichtlich in Zukunft größere Transaktionen abwickeln können. Die Zeit zwischen der Einladung eines Agenten und der ersten Transaktion hat sich von durchschnittlich 73 Tagen im Jahr 2025 auf nur noch 18 Minuten verkürzt, was auf eine steigende Aktivität hindeutet. Es ist jedoch wichtig, dieses Thema nicht zu überschätzen, da sich die breite Adaption von KI-Agenten im Kryptomarkt noch in einem frühen Stadium befindet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Kryptomarkt derzeit von Nachrichten stark beeinflusst wird, was zu erhöhter Volatilität und seitlichen Marktphasen führt. Gehebelte Positionen spielen eine große Rolle bei der Verstärkung von Marktbewegungen. Regulatorische Entwicklungen, wie das Scheitern des Clarity Acts, und die Performance von Altcoin-ETFs zeigen, dass der Markt weiterhin nach klaren Rahmenbedingungen sucht. Gleichzeitig deuten Entwicklungen im Bereich der KI-Agenten auf zukünftige Anwendungsfälle und eine mögliche Ausweitung der Krypto-Nutzung hin.